Photovoltaik ·
PV-Angebote vergleichen: Woran Sie ein gutes erkennen
Drei Angebote, drei Preise, scheinbar dieselbe Anlage: Woran der Unterschied wirklich liegt – und welche Positionen im billigsten Angebot meistens fehlen.
Wer drei Angebote für dieselbe Photovoltaikanlage einholt, bekommt oft Preise, die um mehrere tausend Euro auseinanderliegen. Das liegt selten daran, dass einer besonders günstig kalkuliert – sondern fast immer daran, dass in den drei Angeboten nicht dasselbe drinsteht. Wer weiß, wo man nachsehen muss, erkennt den Unterschied in zehn Minuten.
Der teuerste blinde Fleck: die Elektroseite
Mit der Montage einer PV-Anlage erlischt der Bestandsschutz Ihrer Elektroinstallation. Sie sind ab diesem Moment verpflichtet, den Zählerschrank auf den aktuellen Stand zu bringen – mit Überspannungsschutz, ausreichend Platz und normgerechter Absicherung. Bei Häusern aus den Siebzigern und Achtzigern ist das die Regel, nicht die Ausnahme.
Genau diese Position fehlt im günstigsten Angebot am häufigsten. Sie verschwindet nicht dadurch, dass sie nicht aufgeschrieben wurde – sie kommt nach der Montage als Nachtrag. Fragen Sie deshalb bei jedem Angebot direkt nach: Wurde der Zählerschrank angesehen, und ist die Modernisierung enthalten oder nicht?
Ein Angebot ohne Blick auf den Zählerschrank ist kein Angebot, sondern eine Schätzung.
Gerüst und Baustelle gehören ins Angebot
Für Arbeiten auf dem Dach ist ein Gerüst vorgeschrieben; von der Leiter aus darf nicht montiert werden. Die Module gehören per Kran oder Lift aufs Dach, und werden nicht von Hand über das Gerüst getragen. Das ist Arbeitsschutz und kostet Geld – ein Gerüst liegt selten unter 2.500 Euro. Taucht diese Position nirgends auf, ist entweder jemand bereit, Ihre Baustelle vorschriftswidrig abzuwickeln, oder die Rechnung kommt später.
Garantien: zwei Zahlen, nicht eine
Bei Modulen gibt es immer zwei Garantien, und sie werden gern vermischt. Die Produktgarantie deckt Material- und Verarbeitungsfehler, die Leistungsgarantie sagt, wie viel Leistung das Modul nach X Jahren noch bringen muss. Ein Modul mit 30 Jahren Leistungs- und 12 Jahren Produktgarantie ist etwas anderes als eines mit 30 und 25 Jahren.
| Position | Worauf achten | Guter Wert |
|---|---|---|
| Produktgarantie Modul | Material und Verarbeitung | 15 Jahre und mehr |
| Leistungsgarantie Modul | Restleistung nach Laufzeit | ca. 87 % nach 30 Jahren |
| Garantie Wechselrichter | Oft nur 5 Jahre, verlängerbar | 10 Jahre |
| Garantie Speicher | Jahre UND Zyklen lesen | 10 Jahre / 6.000 Zyklen |
| Montagesystem | Statiknachweis für Ihr Dach | namhafter Hersteller |
Komponenten: die Marke sagt weniger, als man denkt
„Deutscher Hersteller“ ist ein schwächeres Argument, als es klingt – viele Module werden in Asien gefertigt und in Deutschland nur geprüft und etikettiert. Das ist kein Makel, taugt aber nicht als Qualitätsbeweis. Aussagekräftiger sind Ersatzteilversorgung und Servicewege: Wer liefert in acht Jahren noch ein passendes Modul nach, wenn eines ersetzt werden muss?
Beim Wechselrichter lohnt der Blick darauf, ob er zur geplanten Anlage passt. Ein Hybridgerät ist teurer, spart aber später den zweiten Wechselrichter, wenn ein Stromspeicher dazukommt. Bei verschatteten Dächern bringen Optimierer echten Mehrertrag – bei einem freien Süddach kosten sie nur.
Was im Saarland konkret zählt
Dachneigung und Ziegel
Dachziegel dürfen erst ab 35 Grad Dachneigung geflext werden. Bei flacheren Dächern gehören Blechersatzziegel unter die Dachhaken – eine Position, die im Angebot stehen sollte, wenn Ihr Dach flacher ist.
Umsatzsteuer
Für Anlagen bis 30 kWp am Wohngebäude gilt der Nullsteuersatz, und zwar für Module, Speicher und Montage gleichermaßen. Ein Angebot, das 19 Prozent ausweist, sollten Sie hinterfragen.
Netzanmeldung
Die Anmeldung beim Netzbetreiber darf nur ein eingetragener Installateurbetrieb vornehmen, und ohne Anmeldung ist der Betrieb der Anlage nicht zulässig. Klären Sie, wer das übernimmt – Sie oder der Betrieb.
Checkliste für den Angebotsvergleich
- Ist die Modernisierung des Zählerschranks enthalten – oder ausdrücklich nicht?
- Stehen Gerüst und Modultransport als eigene Positionen im Angebot?
- Produkt- und Leistungsgarantie der Module getrennt aufgeführt?
- Wechselrichter: Hybrid oder nicht, und passt das zur Speicherplanung?
- Sind Netzanmeldung und Marktstammdatenregister enthalten?
- Blechersatzziegel eingeplant, falls Ihr Dach flacher als 35 Grad ist?
- Nullsteuersatz korrekt angewendet?
- Wer ist im Servicefall Ansprechpartner – und wie lange gibt es ihn schon?
Fazit
Der Preisunterschied zwischen zwei Angeboten liegt fast nie im Modul, sondern in dem, was drumherum weggelassen wurde. Wenn Sie die acht Punkte oben abfragen, vergleichen Sie zum ersten Mal wirklich dasselbe – und stellen oft fest, dass das günstigste Angebot am Ende nicht das günstigste war. Wir legen unsere Positionen offen, auch die unbequemen.
